Protest vor Viscom-DV: Druckunternehmer in der Pflicht

Heute Morgen tagte in Locarno die Delegiertenversammlung des Druckunternehmerverbands Viscom. syndicom und Syna empfingen die Tagungsteilnehmer mit einem Protestschreiben, in dem sie an die Verantwortung der Druckunternehmer appellieren.

 

An seiner Sitzung im März hatte der Viscom-Zentralvorstand den bereits zwei Jahre andauernden Bemühungen um eine Allgemeinverbindlichkeitserklärung des GAV der grafischen Industrie den Todesstoss versetzt und es abgelehnt, das hängige Gesuch beim Seco weiterzuverfolgen. Dies trotz gegenteiliger Absichtserklärung in den GAV-Verhandlungen 2012 und 2016!

 

Der Viscom unterstützt mit dieser Politik nicht seine Mitglieder, sondern öffnet den Weg zu unfairer Konkurrenz und Lohndumping der nicht angeschlossenen Betriebe: Ein Skandal!

 

Zum Protestschreiben an die Viscom-Delegierten (12.5.17)

Weitere Infos

 

Der Zentralvorstand des Druckunternehmerverbandes Viscom hat dem Verfahren zur Allgemeinverbindlicherklärung (AVE) des GAV für die grafische Industrie am 27. März den Todesstoss versetzt – dies, obwohl ein spezifischer Artikel in zwei Gesamtarbeitsverträgen, 2012–2015 und 2016–2018, die Allgemeinverbindlicherklärung vorsah bzw. vorsieht.

Zweimal hat sich der Verband nicht an das gehalten, was seine Mitglieder angenommen und unterzeichnet haben.

 

Vereinbarung im GAV missachtet
viscom hat sich über zwei GAV und die Tatsache, dass die Quoren für die AVE erreicht sind, hinweggesetzt. Das ist ein unerhörter Skandal! Wir fragen uns, was das für die Zukunft der Sozialpartnerschaft bedeutet – für den GAV der grafischen Industrie, für alle, die in diesem Sektor arbeiten, und für die Jugendlichen, welche die grafische Industrie als Berufsziel wählen.

 

2600 Franken pro Monat für eine 100%-Stelle wurden einem Polygrafen in einem Ostschweizer Kanton angeboten. Es handelte sich dabei zwar nicht um ein in unserem Sektor tätiges Unternehmen, sondern um eine Kommunikationsagentur, aber das ist ein gefährliches Signal. Ist das die Zukunft, auf die sich die Auszubildenden der grafischen Industrie gefasst machen müssen? Wollen die Mitglieder des Viscom so die Jugendlichen, die sie gerne ausbilden möchten, in ihre Branche locken?

 

Mit der AVE könnte so etwas in der grafischen Industrie nicht passieren. Das sollte auch den Viscom-Mitgliedern zu denken geben! Hochwertige Produkte anzubieten ohne gute Arbeitsbedingungen für alle zu gewährleisten, ist ein Weg ohne Zukunft.

 

Viscom leistet dem Lohndumping Vorschub

Mit dem Rückzug des Gesuchs um Allgemeinverbindlicherklärung des GAV ermöglicht es der Viscom den Betrieben, die den GAV nicht unterzeichnet haben, weiterhin von dem zu profitieren, was der Verband und seine Mitglieder aufbauen: Berufsbildung, Weiterbildung, Branchenlobbying und den Willen, die Verantwortung für die Branche gemeinsam zu tragen.

 

Mit diesem Entscheid macht der viscom primär Politik für die Nichtmitglieder, die mit Lohndumping und schlechteren Arbeitsbedingungen die vertragstreuen Betriebe konkurrenzieren können. Gleiche Arbeitsbedingungen für alle kann daher nicht nur ein gewerkschaftliches Ziel sein, sondern liegt auch im Interesse der Verbandsmitglieder.

 

Trotz dieser schwerwiegenden Ereignisse stehen syndicom und Syna zur Sozialpartnerschaft und damit zur Wahrung eines guten GAV. Wir wissen, dass die grafische Branche nur dann erfolgreich ist, wenn alle zusammenarbeiten. Wenn jeder nur den eigenen Vorteil im Blick hat, gehen alle unter.


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