28. November 2014 |

Gesundheit: Grenze der Flexibilisierung

Interview mit Klaus Pickshaus

 

 

syndicom: Die neuen Möglichkeiten der Profitmaximierung und Steuerung der Arbeitenden durch grosse Unternehmen sind ja haarsträubend. Was können Gewerkschaften tun?

Klaus Pickshaus: Wir müssen der Arbeit wieder ein gesundes Mass geben. Die Gesundheit der Arbeitenden ist ein zentraler Zugang dazu: Gute Arbeit ist aus gewerkschaftlicher Sicht der Orientierungspunkt für die Regulierung der Flexibilität. Die tatsächliche Arbeitszeit muss auf acht Stunden beschränkt werden, denn Arbeitende sollen ihre Freizeit planen können. Ausserdem sind die Entscheidräume der Beschäftigten zu sichern. Um das Ganze zu überprüfen ist die Erfassung der tatsächlichen Arbeitszeiten zentral.

syndicom: Diese Diskussion kennen wir auch in der Schweiz, wo die Erfassung der Arbeitszeit an sich gesetzlich vorgeschrieben ist, aber nicht immer eingehalten wird. Aus deutscher Erfahrung: Was ist die wichtigste Forderung, um der Entgrenzung der Arbeit Einhalt zu gebieten?

Pickshaus: Wir stellen gute, humane Arbeit ins Zentrum unserer Kampagnen. Die Humanisierung der Arbeit ist kein veraltetet Begriff. Im Gegenteil: Humane Arbeit wird gut verstanden als Gegenbegriff zur Flexibilisierung der Arbeit.

Wie wehren Sie sich gegen die Prekarisierung, gegen die zunehmende Verunsicherung der Arbeitsverhältnisse?

Minijobs, Teilzeit-, Temporär- und Projektarbeiten nehmen tatsächlich zu. In der Tarifpolitik kämpfen wir dafür, die Leiharbeit zu verteuern, so dass sie sich immer weniger lohnt.

Erschreckend in der Schlussdiskussion war die Feststellung, dass immer mehr Arbeitenden krank arbeiten, also „Präsentismus“ markieren.

Pickshaus: Zu ähnlichen Befunden kommt auch der „DGB-Index Gute Arbeit“ (im Internet unter diesem Begriff). Viele Arbeitende machen sich auf diese Art kaputt, da sie Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes haben. Präsentismus steckt andere Kollegen an und wirkt sich keineswegs produktiv aus. Es ist letztlich auch für das Unternehmen schädlich, kranke Menschen arbeiten zu lassen.

syndicom: Besten Dank für Ihren spannenden Vortrag und Ihre Antworten!

Alfred Arm


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