11. April 2017 |

Die Freischaffenden besser schützen

Freischaffenden-Tagung vom 8. April 2017
© František Matouš

Bilder

 

Die Interessengruppe Freischaffenden von syndicom hat im Haus der Generationen in Bern die internationale Tagung «Freischaffend in der digitalisierten Welt» organisiert. Die Tagung versammelte Mitglieder von syndicom und Freischaffende kamen aus der ganzen Schweiz. Ziel war, die Situation der Freischaffenden in der Schweiz und Europa im Kontext der Digitalisierung unserer Gesellschaft zu diskutieren.

Regula Stämpfli, Schweizer Politologin und Journalistin, zeichnete ein Porträt der Freischaffenden in der digitalisierten Welt. Für sie stehen die Freischaffenden vor 10 Ängsten, darunter jene, dass sie keine Arbeit haben oder dass die Maschinen besser würden als die Menschen. Eine Lösung ist, wieder kreativ zu werden und sich seine Freiheit zurückzunehmen im Lichte der digitalisierten Welt. Gemäss Stämpfli muss man von einer dystopischen Gesellschaft, welche das Glück der Bevölkerung beeinträchigt, zu einer utopischen Gesellschaft überwechseln, wo man selbst entscheidet und sich insbesondere den eigenen Körper und die eigenen Daten wieder selbst an-„eignet“. Sie plädiert ebenfalls vehement für eine Datentransfer-Steuer.

In Deutschland

Gundula Lasch, Vorsitzende der Bundeskommission Selbstständige Deutschland der Selbständigen der Gewerkschaft ver.di, die zwei Millionen Mitglieder umfasst, präsentierte die Situation in ihrem Land. In Deutschland hat es etwa 4 Millionen Selbständige, wovon 2.1 Millionen Solo-Selbständige sind und alleine arbeiten. Die Selbständigkeit birgt das grosse Risiko, dass man in die Prekarität geraten könnte. Lasch plädiert für ein Minimalhonorar per Branche, um die Selbständigen zu schützen. Da die Digitalisierung ein globales Phänomen ist, schlägt sie den nationalen Gewerkschaften vor, ihre Koordination zu intensivieren und die gebotenen Möglichkeiten der Digitalisierung für die Umsetzung von Aktionen zu nutzen.  

In Frankreich

Grégoire Leclercq, Präsident der « Fédération française des auto-entrepreneurs », die 80’000 Mitglieder vereinigt, stellte die Entwicklung der Arbeitsmodalitäten in Frankreich vor und gab Reflexionsansätze zur Uberisierung an. Die „Selbst-Unternehmenden“ (auto-entrepreneurs) beziffern sich heute auf 1.3 Millionen in Frankreich, aber ihr Nettoumsatz bleibt noch schwach, um 10’500 Euro pro Jahr. Manche finden sich in prekären Situationen mit einer Tätigkeit, welche ihnen nicht wirklich ein Leben ermöglicht. Er betrachtet deshalb die Uberisierung als eine Möglichkeit, die für die Selbst-Unternehmenden ein Wachstum schaffen kann, aber welche man regulieren muss.  Er betont die Notwendigkeit eines internationalen Kolloquiums zur Situatione der Selbständigen.

Zum Abschluss der Tagung forderten die Selbständigen einen besseren Schutz, um nicht in die Präkarität zu geraten, und mediale Aktionen, die auf internationaler Ebene koordiniert und durchgeführt werden, um die Situation der Freischaffenden der grossen Öffentlichkeit besser bekannt zu machen.

Grégoire Praz, für die IG Freischaffende


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