syndicom Wegweiser

Seminar der UNI-Jugend - Keine verlorene Generation

An den ersten drei Tagen im Februar traf sich die europäische Gewerkschaftsjugend in Manchester, der Wiege der Industrialisierung. UNI Global Union Youth Europa organisierte dieses Seminar, bei dem rund 80 unter 35-jährige Gewerkschafter und Gewerkschafterinnen über die Jugendarbeitslosigkeit, ihre Erfahrungen mit Arbeitsvermittlungsfirmen und über die Möglichkeiten, die Jugend besser zu organisieren, diskutierten.

 

 

Der Tagungsort liegt 260 km im Nordwesten von London, in der alten Arbeiterstadt Manchester. Hier trafen sich auf Einladung von UNI Global Union Youth Europa junge europäische Gewerkschafter und Gewerkschafterin aus den Mitgliedorganisationen von UNI Global Union, dem globalen Dachverband von 900 Gewerkschaften aus 150 Ländern. Die syndicom-Delegation setzte sich zusammen aus Loïc Bourrier, Rolf Schranz und Rodolphe Bongiovanni. Unsere Vertreter konnten wichtige Kontakte mit Mitgliedern zahlreicher europäischer Gewerkschaften knüpfen.

 

Erster Tag - erste Kontakte
Nach dem Einchecken im Hotel Renaissance gab es einen Willkommenstrunk und dann die ersten Kontakte mit den französisch- und deutschsprachigen Delegationen. Unser Auftrag war es, mit mindestens einer Person aus einem anderen Land zu sprechen und Bekanntschaft zu schliessen. Der erste Arbeitstag ging mit einem Essen in Gruppen zu Ende.

Zweiter Tag - Speeddating zur Arbeitsvermittlung
Am Morgen wurden uns die verschiedenen Aktivitäten vorgestellt, welche die Jungen von UNI Europa organisieren, z.B. das Programm Payatas, das Hilfe für Kinder in einem Slum auf den Philippinen leistet.


Anschliessend ging es um die Probleme rund um die Arbeitsvermittlungsagenturen. Frau Grindle von UNI Global Union hielt einen Vortrag über die Arbeitsvermittlungsunternehmen in Europa und auf der ganzen Welt. Wir nahmen zu diesem Thema auch an einem Speeddating teil, bei dem wir die Situation in unserem Land schildern mussten. Dies erlaubte uns, die Lage in der Schweiz mit jener in den anderen europäischen Ländern zu vergleichen. So erfuhren wir zum Beispiel, dass in Frankreich enorm viel Missbrauch betrieben wird. Und dann stellten wir fest, dass die Temporärarbeit gesetzlich nicht ausreichend geschützt ist.

Dritter Tag - die vergessenen Jungen
Der dritte Tag stand im Zeichen der Jugendarbeitslosigkeit. Wir stellten fest, dass wir in der Schweiz besser gestellt sind als unsere europäischen Nachbarn. Die Zahlen zur Jugendarbeitslosigkeit in Europa sind wirklich erschreckend (siehe Kasten).
Besonders beunruhigend ist, dass sich in der Politik niemand programmatisch mit den Problemen der Jugend beschäftigt. Sogar die Universitätsabgänger und -abgängerinnen stehen vor enormen Schwierigkeiten: Die Unternehmen wollen zwar Junge einstellen, aber gleichzeitig fordern sie eine jahrelange Berufserfahrung… Wo bleibt da die Logik?
Dabei ist zu sagen, dass die jungen Schweizer und Schweizerinnen im Vergleich mit den anderen jungen Europäern und Europäerinnen einigermassen privilegiert sind, obwohl auch sie in der Krise am stärksten von der Arbeitslosigkeit betroffen sind, ganz zu schweigen von der letzten Revision des Arbeitslosenversicherungsgesetzes. Die bessere Lage darf uns aber nicht daran hindern, die europäischen Sparpläne unermüdlich zu bekämpfen. Diese Programme berauben einen Teil der Jugend seiner Zukunft, und sie könnten bald auch in der Schweiz auftauchen. «Die Jungen sind die Zukunft, sie dürfen nicht zur verlorenen Generation werden», hatte Uni Youth bereits am vergangenen 19. September vor dem Sitz der Europäischen Kommission in Brüssel skandiert.

Das nächste Treffen findet im Jahr 2013 in Portugal statt, wo die Jungen die Krise besonders brutal zu spüren bekommen.

Rodolphe Bongiovanni, Präsident der Sektion Vaud Télécom, Mitglied der nationalen Jugendkommission sowie Mitglied der Westschweizer Jugendkommission.

Vielen Dank an Jonathan De Beus, Céline Masson, Martina Hartung, Elisa Gallinaro und Yves Sancey für ihre Mitarbeit an diesem Artikel.